©Devaiah Mallangada Kalaiah

Tiertourismus: Was ist das Selfie mit einem Tiger wert?

Tiertourismus: Wenn Tiere Dinge tun, die sie in der Natur niemals tun würden, sollte das vielleicht zum Nachdenken anregen…

Elefanten reiten, Baby Löwen streicheln und das Selfie mit einem Tiger – für viele Touristen gehört das einfach zum Urlaub dazu. Das Highlight der exotischen Reise ist oft das „Hautnah-Erlebnis“ mit einem wilden Tier. Man sollte aber nicht vergessen, dass Elefanten, Löwen und Tiger genau das sind: Wilde Tiere. Trotz jahrzehntelanger, massiver Kritik von Tierschützern „boomt“ der Tiertourismus weiterhin. Viele ahnungslose Touristen fallen auf lokale Angebote herein oder blenden das schlechte Gewissen einfach aus Bequemlichkeit aus. Aber was ist das Selfie mit dem Tiger wirklich wert?

Geboren um zu sterben

Eine riesen Attraktion für Klein und Groß: Löwenbabies streicheln in Südafrika! Klar, wer würde das nicht gerne mal machen? Ein süßes Schmusekätzchen im Arm halten und ihm den Bauch kraulen. Aber was passiert eigentlich, wenn die Löwen zu groß werden? Wenn sie plötzlich zur Gefahr werden? Denn Löwen sind eben keine süßen Schmusekätzchen sondern Raubtiere, vor denen man Respekt haben sollte. Was viele nicht wissen, ist, dass das Geschäft mit den Löwenjungen nur ein kleines Nebengeschäft ist. Das große Geld wird später verdient. Der eigentliche Grund für die Löwenzucht ist nämlich die sogenannte Gatterjagd. Reiche Touristen zahlen bis zu 45.000 Euro nur um einen Löwen als Trophäe mit nach Hause nehmen zu können. Der Löwe hat dabei nicht die geringste Chance zu entkommen. In seinem kleinen Gehege ist er wie auf dem Silbertablett serviert. Aus sicherer Entfernung erschießt der Jäger das wehrlose Tier. Ein Jagdschein oder jegliche Jagderfahrung sind dabei nicht nötig. Oft erleiden die Löwen kurz vor ihrem Tod noch schlimme Qualen, wenn der unerfahrene Jäger ihn nicht gleich beim ersten Schuss erlegt hat. Eine solche Trophäe zählt als Symbol für Männlichkeit für Mut und Tapferkeit. Aber was bitte ist daran mutig oder tapfer?

Wenn ein Pferd einen Menschen tragen kann, schafft ein Elefant das doch locker

Für viele ist der Ritt auf einem Elefanten die Krönung der Thailand Reise. Die meisten Menschen machen sich da gar keine Gedanken darüber, warum die Elefanten eigentlich das tun, was von ihnen erwartet wird. Die grausame Wahrheit ist, dass Elefanten schon als Babies von ihrer Mutter getrennt, geprügelt und mit spitzen Eisenhaken geschlagen werden, bis ihr Wille gebrochen ist. Ständig werden sie misshandelt, um zu zeigen, wer der Überlegene ist. Mit Ketten und Peitschen werden sie gezwungen zu gehorchen. Auch die Lebensbedingungen sind schrecklich. An einem Pfosten angekettet stehen sie wie in einer Elefantengarage und warten bis Touristen kommen. Nur um dann die immer wieder gleiche Strecke auf und ab zu laufen. Was viele nicht wissen? Die Wirbelsäule der sanftmütigen Riesen ist nicht dafür gemacht, schwere Lasten zu tragen. Mit maximal 150 kg sollte der Rücken eines Elefanten belastet werden. Meist tragen sie jedoch gleichzeitig zwei bis drei Menschen und zusätzlich noch einen schweren Metallsitz.

 

©Chaz McGregor

Wie werden Tiger eigentlich so zahm?

Das sollte man sich fragen, wenn man einen der Tiger Tempel in Südostasien betritt. Regungslos liegen die Raubkatzen am Boden während Touristen ein Selfie mit ihnen machen und sie streicheln. Erschreckend, dass Touristen das nicht hinterfragen, obwohl dieses Verhalten komplett gegen die Natur der Tiere geht. Viele denken vielleicht: Die Tiger werden von Mönchen gehalten, das müssen gute Menschen sein, die gute Arbeit verrichten. Das ist aber leider nicht so. Der wahre Grund, warum die Tiger so zahm wirken ist, dass sie unter Drogen gesetzt werden. Aber das Schrecken geht noch viel weiter: 2016 wurden bei einer Razzia eines solchen Tempels in Thailand 40 eingefrorene Tigerbabies, einige Skelette und in Formaldehyd eingelegte Tigersäuglinge gefunden. Das Geschäft mit den Tigern greift also noch viel tiefer als erwartet, denn die Mönche sind in den illegalen Tierhandel involviert.

Für ein bewussteres Reisen

Dies sind nur drei Beispiele. Man könnte jetzt auch noch Delfinshows, Circusse oder Stierkämpfe erwähnen… die Liste an tierischen Attraktionen ist lang. Wir hoffen aber, dass wir euch mit diesem Einblick zum Denken anregen konnten. Bevor ihr also nächstes Mal im Urlaub den Tiertourismus unterstützt, recherchiert doch erst mal im Internet! Gibt es Reiseberichte von anderen Touristen? Was sagen Tierschützer darüber? Und manchmal muss man eben auch ein paar Abstriche machen und das Wohl des Tieres über die eigenen Wünsche stellen. Man sollte sich fragen: Ist es das wirklich wert? Dass ein Elefant ein Leben woller Qualen erleidet nur damit ich eine halbe Stunde auf ihm reiten kann? Oft gibt es auch tolle Alternativen! Anstatt auf dem Elefanten zu reiten, besucht doch ein Elephant Rescue Camp, wo ihr zum Beispiel mit Elefanten baden und sie füttern könnt. Es gibt nichts schöneres, als wenn man dem Tier ansieht, dass es glücklich und zufrieden ist.